Was ist der Unterschied zwischen Retinol und einem Retinoid?
Retinoid ist der Oberbegriff für Vitamin-A-Abkömmlinge. Retinol ist eine mildere Form in nicht verschreibungspflichtigen Produkten; verschreibungspflichtige Formen wie Tretinoin sind stärker.
Die Haut wandelt Retinol zuerst in Retinaldehyd und dann in die aktive Form um, daher wirkt es langsamer und meist sanfter. Verschreibungspflichtige Retinoide wirken direkter, reizen deshalb eher und erfordern eine ärztliche Begleitung.
Auf den Etiketten stehen Prozentangaben und Unterschiede in der Rezeptur; ein höherer Prozentwert bedeutet nicht immer, dass das Produkt besser passt. Entscheidend sind Hauttyp und Empfindlichkeit.
Was können Retinoide für die Haut leisten?
Sie können die Zellerneuerung und die Kollagenbildung unterstützen, verstopfte Poren und die Neigung zu Akne verringern und das Erscheinungsbild feiner Linien und Flecken mildern.
Wirkungen zeigen sich meist nach Wochen bis Monaten, und in den ersten Wochen kann die Haut reagieren. Die Ergebnisse sind unterschiedlich, und ohne regelmäßigen Sonnenschutz fällt der erwartbare Nutzen geringer aus.
Häufig werden sie bei Aknenarben bzw. Pigmentmalen nach Akne und bei lichtbedingter Hautalterung genannt. Mehr dazu auf den Seiten zu Akne und Hautalterung.
Wie beginnt man und wie geht man mit Nebenwirkungen um?
Üblich ist es, an wenigen Abenden pro Woche zu beginnen und eine Feuchtigkeitspflege zu verwenden. Tritt eine Reizung auf, wird die Häufigkeit verringert und ärztlicher Rat eingeholt.
Meist wird abends eine dünne Schicht auf saubere, trockene Haut aufgetragen; Augen und Lippen werden ausgespart. Die gleichzeitige Anwendung von Peeling-Säuren, starken Peelings oder anderen reizenden Wirkstoffen kann die Reizung verstärken.
Bei deutlichem Brennen, Schwellung, großflächiger Rötung oder möglicher Allergie das Produkt absetzen und eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen. Komplikationen sollten nicht selbst behandelt werden.
Wer sollte sie nicht anwenden und worauf ist zu achten?
In Schwangerschaft, Stillzeit oder bei Kinderwunsch sollten sie nicht angewendet werden. Bei aktivem Ekzem, offenen Wunden und kürzlicher Einnahme von Isotretinoin ist ärztlicher Rat nötig.
Retinoide können die Haut sonnenempfindlicher machen. Tagsüber ist ein Breitband-Sonnenschutz nötig, Solarien sind zu meiden. Wenn ein Laser, ein Peeling oder ein ähnlicher Eingriff geplant ist, sollte die Ärztin oder der Arzt über die Anwendung eines Retinoids informiert werden; eine Pause im Vorfeld kann besprochen werden.
Welches Produkt und welche Stärke passen, entscheidet die Ärztin, der Arzt oder die Hautärztin bzw. der Hautarzt. Auf dieser Seite werden keine Dosierung und kein Schema genannt.
Häufige Fragen
Darf man Retinol in der Schwangerschaft anwenden?
Nein, in Schwangerschaft und Stillzeit wird es nicht empfohlen. Bei Kinderwunsch sprechen Sie bitte mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Kann man Retinol morgens anwenden?
Die meisten Produkte werden abends angewendet, weil die Lichtempfindlichkeit zunehmen kann. Morgens muss Sonnenschutz aufgetragen werden.
Wie lange braucht Retinol, bis es wirkt?
Wirkungen zeigen sich meist nach Wochen bis Monaten; sie sind unterschiedlich, und ein fester Zeitraum kann nicht zugesagt werden.
Kann man Retinol zusammen mit Vitamin C verwenden?
Meist wird eines morgens und das andere abends angewendet. Die gemeinsame Anwendung kann empfindliche Haut reizen.
Quellen (5)
- American Academy of Dermatology: Retinoid or retinol?
- U.S. FDA (DailyMed, NLM): REFISSA- tretinoin cream (Prescribing Information)
- European Commission, Scientific Committee on Consumer Safety (SCCS): Revision of the scientific Opinion (SCCS/1576/16) on vitamin A (Retinol, Retinyl Acetate, Retinyl Palmitate), SCCS/1639/21 (2022)
- Clinical Interventions in Aging: Retinoids in the treatment of skin aging: an overview of clinical efficacy and safety (2006)
- Plastic and Reconstructive Surgery: Reversal of Skin Aging with Topical Retinoids (2014)
Dieser Inhalt dient der allgemeinen Information und ersetzt keine persönliche ärztliche Beurteilung. Bei jedem medizinischen Eingriff können die Ergebnisse von Person zu Person unterschiedlich ausfallen. Vor dem Eingriff wird eine ausführliche ärztliche Beratung empfohlen.
